Freitag, 20. Februar 2015

Lästern fasten

Aschermittwoch, ich tuckerte gerade mit dem Auto von hier nach dort, hörte ich im Radio davon, dass man doch dieses Jahr mal lästern fasten solle. Ich kann mich nicht genau erinnern, meine aber, es ist eine Aktion der evangelischen Kirche.

Passend zum Beitrag wurden einzelne Hörer zitiert, die dazu ihre Gedanken per Mail geschickt hatten. Interessant. 

Überzeugt dachte ich, dass das doch eine wirklich einfach Form des Fastens ist. Schließlich lästere ich eigentlich nie, ich guter Mensch. Zufrieden und siegessicher lächelte ich bei dem Gedanken nach innen: Da mach ich glatt mit. 

Ich überlegte weiter: 
Was ist eigentlich lästern?

Na ja, hab ich mal nachgelesen...

Duden sagt:
  1. (abwertend) sich über jemanden [der abwesend ist], über etwas abfällig, mit kritischen oder ein wenig boshaften Kommentaren äußern (Quelle: http://www.duden.de/rechtschreibung/laestern)

Genau, lästern ist boshaft oder abfällig. "Rumätzen" quasi. Und vor allem "hinterm Rücken".

Wobei ich auch boshaft oder abfällig reden kann, wenn ich meine definitive Meinung über jemanden sage. Aber Menschen, die ich nicht mag, WISSEN, dass ich sie nicht mag. Damit halte ich nicht hinter dem Berg. Und dann ist es doch nicht hinter dem Rücken -> ist es dann noch lästern? Hm. Schwierig.

Ich bin schon froh, dass es nur ganz, ganz wenige Menschen gibt, die ich absolut nicht mag. Das wird mir sogar manchmal angekreidet, also dass ich wie ein Schaf ständig noch irgendwas Gutes in der letzten Ecke einer ansonsten mehr als anstrengenden Person finde. Aber die Menschen, die es einmal geschafft haben, von mir verabscheut zu werden, die bleiben in der Regel auch in dieser "Schublade". Denn dann haben sie sich den Weg dahin mehr als redlich verdient. ;)

Wie auch immer... 

LÄSTERN FASTEN!

Mach ich. Find ich gut.

Und?

Hab gestern bereits das erste Mal versagt. Das hat ja echt lange souverän funktioniert mit meiner Fasterei.. 

*mööööööööp*

Ich glaub, wenn ich nicht beschlossen hätte, dass ich lästern FASTE, wäre mir in der Situation gar nicht aufgefallen, DASS ich gerade lästere... Mach ich das also doch deutlich öfter als ich denke? Ist das automatisch? Ich mach mir da so meine Gedanken über mich. Hm.

Wie ist das mit euch und dem Lästern? Lästerschwester (bzw. -bruder) oder Belästerte oder völlig lästerfrei? Outet euch ruhig mal. :)






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Kommentare:

  1. Es gab ein Experiment von jemanden, der ein halbes Jahr (glaub ich) sich vorgenommen hat nicht mehr zu lügen. DAS hat sein Leben radikal verändert. Ich glaube, der hat darüber geschrieben.

    Lästern. Ja. Da schreibste was.
    Wenn eine sich damit einmal beschäftigt / beschäftigt hat, dann bemerkt eine, wie extrem es verbreitet ist. Nur einen Hauch entfernt davon ist M*obbing. Und das grassiert ja wie eine Seuche überall. Besonders in der Arbeitswelt.

    Nicht umsonst sind in den Religionen der Welt die Sprache / Rede einer der Hauptpunkte, in den jeweiligen "Geboten", Gelübte, Regeln, Schriften etc.

    Im B*uddhismus heißt eines der fünf Gelübte:
    Ich gelobe mich unrechter Rede zu enthalten.
    Ich habe die Gelübte für mich umgeschrieben. :O)
    Meine Rede ist klar, wahrhaftig und hilfreich.

    SO! Damit haste echt zu tun.
    ABER ! je mehr es mir gelingt mich daran zu halten (weil es für mich absolut sinnvoll ist), desto besser geht es mir und somit meinem Umfeld. Es fühlt sich "sauberer" an und Menschen, die mit einer zusammen sind, die fühlen sich sicher und geborgen.
    So geht es mir mit den Menschen, die eine bestimmte Haltung im Leben haben und die ich immer mehr in meinem Leben finde. Gute Energien ziehen gute Energien an.

    Liebe Grüße
    Oona




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  2. Ich hab auch mal ganz gerne gelästert ... bis zu einem Tag bei dem Floristen vor Ort. Ich stand an der Kasse und wartete das mein Strauß gebunden wird. Mein Blick schweifte durch den Kassenbereich und blieb bei einem gerahmten Spruch hängen "Bedenke, Menschen die mit Dir über andere reden, reden auch mit anderen über Dich." Ich war ziemlich verblüfft über diese einfachen Spruch. STIMMT!
    Da ich nicht möchte das über mich gelästert wird, verkneife ich es mir seitdem auch über andere zu lästern. Meistens gelingt es mir, leider nicht immer.
    Ich handhabe es wie Du, den Menschen, die ich nicht mag den zeige ich sofort was los ist. Dann wissen sie woran sie sind und gut ist. Ich bin selber mal in den Genuß eines "netten" Menschen gekommen. Vorne rum war ich die beste Freundin und hinten rum ... naja, lassen wir das, ich will ja nicht lästern ;).

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    1. Moin Doris,
      Danke für diesen Spruch.
      Denn hänge ich mir hin.
      Gruß
      Oona

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  3. ob ich das Lästern so schnell aufgeben kann, weiß ich nicht, das wurde mir quasi mit der Muttermilch mitgegeben .....
    aber ich wollte schon vor einiger Zeit aufhören, über nicht anwesende zu reden oder mir Geschichten über andere anhören (die ich meist auch gar nicht wirklich kenne).

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  4. Nein, ich bleibe beim Saft!
    Ich läster einfach zu gern, aber ich bilde mir ein, dass ich dabei sehr liebevoll mit den Schwächen meiner Mitmenschen umgehe.
    Hm, dennoch ist es mir lieber, diejenigen sind gerade nicht anwesend :)
    Wobei ich kein Freund von Tratsch, Intrigen, übler Nachrede, wüsten Vermutungen etc. bin - sondern einfach eine Lästermaul :)
    Ich läster dabei aber am liebsten über Leute, die ich mag - über Leute, die ich nicht mag, zerbreche ich mir weder groß den Kopf, noch zerreiß ich mir für die das Lästermäulchen ...

    Ich denke, es gibt sehr viele Arten, das Wort "Lästern" auszulegen.

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  5. Wenn ich MIT jemanden ÜBER einen Dritten lästere, muss das schon mein Mann oder meine allerliebste Freundin sein. Bei allen anderen kann man sich ja nicht sicher sein, ob es nicht ein Bumerang wird.

    Liebe Grüße vom Fischkopp Marie-Johanna

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  6. Diese Fastenaktion bezieht sich übrigens auch darauf, sich nicht ständig selbst runterzumachen, sondern sich selber schön zu finden. Mit allen Makeln. Und die anderen auch.
    Gut mit sich selber und anderen umgehen.
    Übrigens lese ich deshalb so gern bei dir. Weil du dein Glück und deine positiven Veränderungen teilst.
    Liebe Grüße
    Christine

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