Freitag, 24. April 2015

Kraftort


Ich war doch neulich bei so einem Seminar über Entspannungstechniken - etwas, was meinem Naturell eigentlich gar nicht liegt. Aber Herausforderungen sind dazu da, damit man sich ihnen stellt, finde ich.

Entspannung ist übrigens auch zu 99,9 % NICHT Teil meiner Sportkurse, weil ich der Meinung bin, dass wenn man zum Sport kommt, Sport machen sollte. Entspannen dürfen wir alle danach... auf dem Sofa, im Bett. Oder man belegt gezielt einen Entspannungskurs. Damit meine ich nicht dehnen oder eine "Igelballmassage" oder was weiß ich, das mache ich durchaus, sondern echte Entspannungstechniken.

Ich bin so die, die bei einer Entspannungseinheit daliegt, mit Gedanken im Kopf wie...

... ommmmmm, verdammt, ommmmmm... oh, ich muss noch einkaufen... hm... was brauche ich denn?.... ENTSPANN DICH... Klopapier! Das darf ich auf keinen Fall vergessen!... ommmmm... Ich hab Hunger... bin ich froh, wenn das hier vorbei ist... ommmm JETZT... pfoah he, ist das langweilig... meine Nase juckt, ich muss bestimmt gleich niesen... ich kratz mal vorsichtig... ommmm... ob die anderen alle die Augen wirklich zu haben? Ich mach mal eins auf und gucke... hm.. haben die... Entspann dich zwo-drei-vier... die Stimme macht mich wahnsinnig... Warum atmet die so komisch dabei? 

So oder so ähnlich. Kann man sich vielleicht vorstellen, dass das nicht wirklich zur Entspannung in mir beiträgt. 

Aaaber... da war dann doch etwas, was mich seitdem nicht loslässt. Tatsächlich.

Es gab eine Traumreise. Ich habe mich äußerlich brav hingelegt, innerlich sträubte sich mir das Nackenfell. Traumreise mag ich normalerweise in etwa wie Pickel.

Und die Trainerin sprach etwas Interessantes: Sie beschrieb nicht den WEG oder ORT der Reise in bunten Worten, sondern hat das komplett uns überlassen.

Sie schickte uns - wie durchaus üblich - erst einmal zu einer Treppe. Schon die beschrieb sie gar nicht. BÄM, da war MEINE Treppe. Glasklar und deutlich. Die führt in Schweden zum Strand. Aus den Dünen nach unten zum Meer. Aus Holz und im Sommer schön warm und mit Sandkörnchen drauf, die zwischen den Zehen kitzeln. Du stehst oben und die Möwen kreischen, der Wind braust durchs Haar, das Meer glitzert. Kann man sich vielleicht ein bisschen vorstellen.

Anschließend sollten wir zu "unserem Kraftort" gehen. Also der Ort, der uns Kraft gibt und Wohlgefühl. Und ZACK saß ich da. Da brauchte ich gar nicht zu denken, das war sofort da. Am Meer, auch Schweden, aber ganz woanders. Mein Herz füllte sich tatsächlich mit Kraft. Sehr merkwürdiges Gefühl. 


Mein Kraftort ist hier unten direkt am Wasser - Foto von April 2015


Nach der Traumreise tauschten wir Teilnehmer uns aus. Einige waren wie ich am Meer (ich denke, dass das ein recht beliebter Kraftgeber ist), wobei die anderen in südlichen Gefilden waren. Manche waren aber auch zuhause in ihrem alten Kinderzimmer oder auf einer Waldlichtung oder bei Omma oder sonstewo. Eine hat mir erzählt, sie sei in ihrem eigenen Herzen gewesen - wir reden hier von dem ORGAN an sich. Hm.

Wie wäre das bei euch? WO ist euer Kraftort? Habt ihr einen? Falls ihr bislang keinen habt, versucht mal in euch zu gehen und danach zu suchen. Ich WETTE, da ist irgendwo einer. Im Zweifel müsst ihr ein wenig in euch graben.

Seitdem lässt mich das nicht mehr los. Allein die Tatsache, dass ich überhaupt einen KRAFTORT besitze, war mir vorher gar nicht bewusst! Und wenn ich heutzutage ein wenig zu viel um die Ohren habe, kann ich die Augen schließen und bin für einige Minuten einfach dort. Das fährt mich umgehend runter. 

Jetzt überlege ich die ganze Zeit, wie ich daraus ein Audio für den Blog machen könnte, eben mit so einer Traumreise drauf, damit jeder der Lust hat, die hören und entspannen kann - sofern man das mit meiner Stimme überhaupt hinbekommt, aber ich denke schon. Ich kann nämlich durchaus sehr ruhig und langsam sprechen, kaum zu glauben. ;)

Aber ich weiß noch nicht, wie ich das technisch am besten machen soll. Jemand eine gute Idee? Oder ich frag mal Kathrin, die macht ja unsere Podcasts. Wir sehen uns nämlich am Dienstag. ♥








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Kommentare:

  1. jo. gibt es. Die Schafweide hinter der Mühle, zu Zeiten als es den alten Schwarzkirschbaum noch gab.
    im Sonnenlicht. gibt es glaub ich sogar ein Foto von. Seit meinem 50. geht aber auch der Barrakudaschwarm von meinem Header. Unfassbare Ruhe.

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  2. Ich müsste auch ganz klar sagen: Das Meer! Nordsee oder Atlantik. Interessanterweise katapultiert es mich gedanklich direkt in einen bestimmten Urlaub, den ich mit meinen Kindern am Meer verbracht habe. Also kommt es bei mir wohl nicht nur auf das wo, sondern auch auf die Umstände an.....
    LG Gabi

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  3. Habe grade einen entspannten Kurs mit autogenem Training hinter mir......man muss üben, aber es funktioniert. Jetzt gehts weiter mit einer Muskelentspannung nach Jacobson.......nicht nur der Koerper braucht Entspannung. ......vergesst den "Geist" nicht!
    LG
    Claudia

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  4. Mein Kraftort ist auch schon immer das Meer.

    Ich mußte faßt lachen, bei Deinen Zeilen. So wie Du das beschreibst ging es mir bei meinem ersten Entspannungsprogramm auch. Neben mir hat sogar jemand geschnarcht und ich drehte innerlich Däumchen, aber später hatte ich auch eine super Trainerin und hatte meine Kraftort gefunden.
    Halt diesen Ort fest und genieße Ihn, wenn Du Ihn brauchst.

    LG
    Sandymaus

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  5. Mein Kraftoft liegt auch am Meer.
    Weite. Wellen-Geräusche. RUHE ! und glitzerndes Wasser. Wolken ziehen dahin.
    Atmen.
    Alles ist gut!

    Oona

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