Freitag, 30. Oktober 2015

Seit' an Seit'

Am Dienstag bekam ich tatkräftige Unterstützung auf der Baustelle. Von meinem Montagskurs hatte sich U. angesagt, rückte mit Blaumann (Blaufrau?) an, krempelte die Ärmel hoch und wirbelte ordentlich neuen Wind in die Bude.

U. ist noch nicht lange Teilnehmerin meines Pilateskurses, aber sie gehört zu den Menschen, die man direkt für sich adoptiert, weil sie einem so sympathisch sind. Sowas kennt ihr bestimmt auch.

Jedenfalls hatte ich für mich im Hinterkopf gespeichert, dass sie Vegetarierin ist, und weil ich wusste, dass sie direkt von der Arbeit zur Baustelle einfliegen wollte, bin ich vorher noch hopphopp in die nächste Bäckerei gerauscht und habe ihr ein Brötchen mit Brie und eine Pizzazunge mit Tomate-Mozzarella besorgt. Meine Mettwürstchen würde sie ganz sicher nicht wollen, aber Gäste sollen sich bei mir wohlfühlen - besonders, wenn sie mich so nett unterstützen. 

Entsprechend stolz bot ich ihr das eigens für sie organisierte Mahl an.

"Hm, das ist total lieb, aber ich bin eigentlich vegan."

"Uuuupppsssiieeeee... Vegan. Verdammte Hacke!" - war mein erster Gedanke. Aber das konnte sie mir gar nicht gesagt haben, das hätte ich mir doch gemerkt. Oder hatte ich mal wieder nur selektiv zugehört? Wäre auch nicht ungewöhnlich. 

U. ist ein unkomplizierter Mensch und überging meinen Fauxpas, indem sie dennoch zumindest das belegte Brötchen aß.

"Uuuuiiiii... meine erste Veganerin im echten Leben", dachte ich, als ich so vor mich hin pinselte. Schon ein bisschen spannend, also habe ich sie mal ein wenig gelöchert. Schließlich ist ernährungstechnisch eine unserer Schnittmenge ja, dass wir durchaus z.B. ein wenig planen/denken, bevor wir auswärts oder auf Einladungen essen. Wir tauschten Erfahrungen und Geschichten aus, da gibt es deutlich Parallelen.

"Was würde ich eigentlich kochen, wenn ich sie zu mir einladen würde?", überlegte ich weiter beim Anstreichen. Prinzipiell nehme ich nämlich Rücksicht auf die Vorlieben und Ernährungsgewohnheiten anderer. Das fällt für mich unter Gastfreundschaft. 

Aber ich habe in meinem Lebtag noch nicht vegan gekocht. Das wäre eine Herausforderung. Die "Tellerinhaltschnittmenge" beläuft sich bei LCHF und Vegan ja ungefähr auf Gemüse, Nüsse und gewisse pflanzliche Öle, oder? Hm.

Veganer sind militant - so absolut...


... sagen viele. 

Nein, es gibt nicht "die Veganer", ebensowenig wie es "die LCHFler" gibt. Sehe ich so. Es gibt immer "solche und solche". Egal wo. Egal wie. 

Nicht selten habe ich von Shitstorms gehört (und sie auch selbst nachgelesen), die Veganer irgendwo angezettelt haben, weil irgendetwas nicht zu ihrem Lebensstil passte. Klar, das gibbet auch - aber die gibt es auch aus anderen Ernährungsbereichen! Irgendwie scheint Ernährung ein Thema zu sein, das Reibung erzeugt. 

Warum eigentlich? Für mich ist Ernährung eine ganz persönliche Sache, aber deswegen alle über einen Kamm zu scheren, ist mir zu schwarz/weiß. Toleranz fängt bereits auf dem Teller an!

Einträchtig strichen wir Seit' an Seit' den Raum und wurden auf den letzten Tropfen Farbe fertig. 

Anstrich ist jetzt also erledigt, was fehlt ist der Boden, denn das Blau geht mal gar nicht. Es nimmt Formen an!





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