Dienstag, 5. September 2017

Wettabrechnung: Höga Kusten!

Ähm, long time no see, oder so.

Eben fiel mir siedenheiß ein, dass ich ja noch gar nicht von meinem "Urlaub" (haha) in Höga Kusten geschrieben hab. Eben die Einlösung des Wetteinsatzes - ich hatte ja schmählich gegen den Mann verloren und mir drohte Wandern satt!

Und so begab es sich, dass Sudda mit dem Mann und dem Flieger gen Norden abhob. Auch so ein Nicht-Hobby von mir, wie ich hier einmal zu berichten wusste: Fliegen und schwanger sein...

Tag 1


Wir flogen bis Stockholm, das Wetter spielte mit und der Flug war (im Gegensatz zu Ostern, wo ich 1 Woche lang hinterher Druck auf den Ohren hatte!) sehr geschmeidig.

Von Stockholm aus ging es mit dem Auto 5 Stunden weiter. Jaha, Schweden ist laaaaang und weit.

Mich nervten die Füße ein wenig. Die schwellen nämlich sehr gerne an, wenn ich fliegen und lange rumsitzen muss. Vermutlich auch so eine Alterserscheinung, wer weiß das schon? Jedenfalls: ätzend!

Wie die geneigten Leser sich denken können: Wenn man erst fliegt und dann noch 5 Stunden Auto fahren muss, bleibt keine Zeit mehr zum Wandern. Yeah!

Stattdessen machten wir es uns in unserem Feriendomizil in Villa Orrbacken abends gemütlich, bastelten einen Salat mit Krabben und Lachs und tranken ein Gläschen guten Roten - woraufhin Muttis Füße noch ein wenig weiter anschwollen...

Tag 1: ERLEDIGT!

Tag 2


Der Mann meinte es mit der Wanderei dann doch ernst. Gut, Gnade ist ja nun nicht gerade sein zweiter Vorname. Und so brachen wir auf in den Skuleskogen, meine Füße immer noch ömmelig.

Mir gelang es relativ erfolgreich, meinen üblichen Wandermissmut beiseite zu schieben, denn das Wetter war klasse. Den Weg kannte ich schon zum Teil und ich wusste ganz sicher: War ich erst einmal durch die Schlucht durch und am Fuße des Berges wieder angekommen, waren es nur noch 2 km bis zum Auto. Ein Kläckschen!

Unterwegs unglaublich viele Beeren! Mit dabei auch Hjortron - die sehen so aus, auch wenn die Beere auf dem Foto noch nicht reif ist.



In Summe waren 18 km angesetzt. Nur so zur Info, denn eigentlich lag die täglich zu wandernde Strecke für den Wetteinsatz deutlich höher. Aber der Weg ist... ich sag mal... etwas ungeschmeidig, darum hatte der Mann zumindestens ein GnädCHEN.

Und hier ein paar Fotos:



Das war übrigens ganz witzig. Wir waren ja schon einmal an der Stelle, ABER damals war es so nebelig, dass man gar nichts sehen konnte. Fühlte sich sehr merkwürdig an, als da auf einmal so ganz viel Landschaft war! Das hintere Wasser ist übrigens Meer, das vordere See!



Bis dahin war der Weg problemlos. Gut, immer wieder mal die Füße schön heben, weil es einiges an Wurzeln und Steinen zu bezwingen gab (das kann man mit dem Durchschnittswanderweg in Deutschland absolut nicht vergleichen. Der Begriff "Wanderweg" ist dehnbar wie stundenlang gekauter Kaugummi, das sag ich euch aber!) und natürlich ging es konstant bergauf, was ich auch nicht gerade zu meinen liebsten Hobbies zähle. Aber was solls... Wette verloren ist eben Wette verloren. Und als ich erst einmal OBEN war, war klar, jetzt geht es "nur noch" bergab.

Ich greife mal vor: Besonders mit mir ging es bergab.

Jedenfalls machten wir auf der Bergkuppe eine nette Pause, die ich dafür nutzte, aus Sicherheitsgründen eine Lage Blasenpflaster auf jede Ferse zu kleben. Es drückte irgendwie...

Ganz, ganz oben kommt man an die superimposante Schlucht:


In die Schlucht zu kraxeln, war für mich, die ich ja nicht gerade frei von Höhenangst ist, eher "geht so". Aber allein das Wissen, dass ich jetzt "nur noch" bergab gehen würde, war beflügelnd. Meine Hacken brannten allerdings leise vor sich hin...

Bis "unten" ging es allerdings jetzt fast nur noch über Stock und Stein. Und das meine ich so, wie ich es schreibe. Stock - Stein - Stock - Stock - Stein - riesiger STEIN - Stöckchen... und so weiter.



Vorbei an einem See, in den ich besser mal die Füße zum Abkühlen hielt. Das tat gut.

Irgendwann, also GANZ irgendwann, waren wir unten. Meine Fersen brannten wie Hölle! Unten war das Meer, also zog ich wieder die Schuhe aus und badete meine Paddel. Was sah ich bei der Gelegenheit?

DIE FERSEN 
WAREN
DURCH UND BLUTIG
!!!

Trotz des Blasenpflasters. Aaaaaaaahhhhhh!

Die Kombi aus geschwollenen Füßen und Schuhen, die leider nicht mitwachsen, war also tatsächlich nicht gerade der Brüller...

Aber ich wusste ja, dass es nur noch 2 km zum Auto waren. Nicht wahr? Also einfach eine zweite Lage Blasenpflaster drüber und weiter.

FALSCH!
Es waren noch SIEBEN!

SIE-BEN!

Ja, der Mann hat ein Foto von meinem Gesichtsausdruck unterwegs gemacht, als ich auf einem Stein rastete und jammerte. Was heißt jammern? Ich war unfassbar wütend (werde ich klassischerweise in solchen Situationen) und hätte ihn am liebsten erwürgt, weil er mich solch einer Gefahr ausgesetzt hat, aber ich konnte ihn nicht erwischen - er fotografierte aus sicherer Entfernung.

Nein, das Foto möchte ich nicht einstellen!

Entsprechend spät kamen wir zurück in die Zivilisation. So spät, dass in Docksta und näherem Umland die Bürgersteige schon hochgeklappt waren und die Restaurants schlossen. Das einzige Futter, was noch zu greifen war, waren ömmelige Fertig-Köttbullar mit klebriger Sauce und Salat. Na supi.

Missmutig und hungrig ging ich zu Bett, nicht ohne vorher noch liebenswerte und bedauernswillige Menschen über den Zustand meiner Hacken per WhatsApp zu informieren. Natürlich nicht blank, sondern abgeklebt (Hinweis: Blasenpflaster NIE abreissen - ganz dumme Sache!). Sah trotzdem furchtbar aus.

Tag 2: Mit knapper Not überstanden.

Tag 3


Als ich aus dem Bett kroch, tat mir jeder Muskel in den Beinen und Füßen weh. Der Mann stand fröhlich pfeifend vor mir und teilte mit, dass wir nach dem Skuleskogen nun den Skuleberget erobern würden.

Ich sag ja: Gnade ist nicht sein zweiter Vorname.

Fand er aber schon, denn netterweise wäre die Strecke des Tages nur unter 7 km lang. Aha - mir schwante, dass da ein Haken an der Sache war. Oh, was sollte ich Recht behalten...

Wir fuhren zum Skuleberget und parkten. Der Namensteil BERGET weißt ja schon darauf hin, dass es sich um einen BERG handelt. Allerdings war DAS, was ich da sah, kein BERG, sondern ein STEILHANG. Werde mich bei der schwedischen Regierung beschweren und um Umbenennung des Klotzes bitten!

Auf der Schautafel sieht es gar nicht mal soooo spektakulär aus - aber ich schwöre: WAR ES TROTZDEM!



"Wir nehmen die kurze Strecke bis ganz rauf, danach geht es seicht runter", sagte der mir Zugemutete... Und es ging gefühlt senkrecht hoch.

Oben dann diese Aussicht. Danach hatte ich keine Lust mehr Fotos dort zu machen. Echt nicht.



Exkurs: Vielen Dank an eine bestimmte Blogleserin, deren Mail mit Dehnungsübungen zu meinem Mayoarm mich just an dieser Stelle erreichte! Das war super. Mayo-Arm ist Geschichte! <3

War ich froh, als ich wieder unten war. Und der Mann war dann doch ein wenig stolz auf mich. Zur Feier des Tages fuhren wir am Nachmittag zum Essen in eine Fischräucherei nach Norrfjällsviken. Das war superlecker und für den Abend nahmen wir uns noch ein wenig Geräuchertes mit.

Norrfjällsviken war wunderschön:



Tag 3? Überlebt!

Tag 4


Beim Aufstehen am Morgen spürte ich sofort, dass jemand illegalerweise über Nacht Billiardkugeln in meine Waden einoperiert haben musste... Nicht so nett!

Unser Ziel für den letzten Wandertag war Rotsidan. Schön flach, aber auch Hölzchen - Stöckchen - Hölzchen - Stöckchen. Auf halber Strecke pausierten wir am Meer.

Guckt mal, wie schön es dort war!


Sogar mit Mann drauf!


Nichtsdestotrotz: Ich war an meiner persönlichen Grenze angekommen. Füße und Beine wollten nicht mehr. Der Mann hatte dann doch ein Einsehen und wir brachen die Wanderung ab bzw. gingen zurück.

Nicht ohne dass ich das goldene Wanderherz von ihm als Foto für meinen Einsatz verehrt bekam... Also manchmal ist er ja schon süß. <3



Tag 4? Wetteinsatz geliefert!

Tag 5


Abreise und Ankunft Zuhause - mitten in der Nacht. Ziemlich unspektakulär.

Es wurde Zeit, meine Fersen heilen zu lassen. Ich hatte nur noch eine knappe Woche bis zum Women's Run in Köln.

So long, meine Lieben.
Ich hoffe, ihr hattet Spaß.

Ich packe fast schon wieder meine Koffer, es wird bald Zeit für Lappland.

<3


























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